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Die wohl umfangreichste Online-Sammlung an Bildmaterial von der Zerstörung
Graun & Reschens
Weitere ausführliche Informationen zur Geschichte:
50 Jahre Seestauung - Altgraun, ein Dorf verschwindet

Ein faschistisches Projekt

Auf einen Stausee am Reschen hatte man es schon unter der österreichischen Monarchie abgesehen; die italienische Regierung griff im Jahr 1920 diesen Plan auf und erteilte eine Konzession für die Anhebung des Wasserspiegels um 5 Meter. Das Ausmaß dieser Stauung wäre nicht sehr beunruhigend gewesen, da es die Orte Graun und Reschen nicht gefährdet hätte.

Später übernahm aber der Konzern Montecatini (heute Edison) diese Konzession und arbeitete ein neues, weit gefährlicheres Projekt aus. Sechs Tage nach der Unterzeichnung des Options-Abkommens zwischen Hitler und Mussolini, am 29.Juni 1939, legte der Konzern sein neues Ausführungsprojekt vor; es sah eine Stauung der Seen von 1475 auf 1497 Meter, also um 22 Meter, vor, was den Untergang von ganz Graun und eines Großteils von Reschen zur Folgehaben würde. Die Art, wie man diese Pläne der betroffenen Bevölkerung mitteilte und deren Einverständnis einholte, war wirklich kriminell. Das Vorhaben wurde nämlich vom faschistischen Gemeindesekretär in Graun nur in italienischer Sprache unter vielen anderen Erlässen und nur für zwei Wochen publiziert, so daß die betroffenen Bürger es überhaupt nicht zur Kenntnis nahmen und deshalb natürlich auch keinen Einwand dagegen erhoben. Nach Ablauf der acht Tage konnte der Sekretär weitermelden, daß niemand etwas gegen das Projekt einzuwenden habe. Obwohl dieses Vorgehen auch im damaligen faschistischen Italien vollständig gesetzwidrig war, ermächtigte das römische Ministerium die Montecatini am 6. April 1940 zum Baubeginn und erklärte zugleich die Arbeiten für dringend und unaufschiebbar.

Ein faschistisches Projekt
Warum die Gemeinde Graun kein Gerichtsverfahren angestrebt hat konnte nicht festgestellt werden...
Aber die Kriegsereignisse machten einen Strich durch die Rechnung und nach der Besetzung Norditaliens durch die deutsche Wehrmacht im Jahre 1943 wurden die Arbeiten ganz eingestellt. Schon glaubte man in Graun und Reschen dieses Schreckgespenst für immer los zu sein, besonders, da ja der Faschismus gestürzt und Italien nach dem Krieg zu demokratischen Verhältnissen zurückgekehrt war. Doch zur Bestürzung, der betroffenen Bevölkerung erschienen am 20. März 1947 zwei Vertreter der Gesellschaft Montecatini in Graun und gaben bekannt, daß nun die Arbeiten zur Verwirklichung des Stauprojektes wieder aufgenommen und bis 1949 abgeschlossen sein würden.

Es wurden nun viele Versuche unternommen, dieses drohende Unheil abzuwenden. Man sandte Hilferufe nach allen Seiten aus, so auch an den Außenminister Gruber von Österreich und an die Kommunistische Partei Italiens; in einer Eingabe an das Ministerium für öffentliche Arbeiten forderte man den Widerruf der Konzession; der Innsbrucker Geologe Raimund von Klebelsberg erarbeitete ein wissenschaftliches Gutachten, in welchem er darauf hinwies, daß der Grund des Grauner Sees nicht stark genug sei, dem Druck des Wassers am Staudamm standzuhalten. Außerdem drohte man der Gesellschaft Montecatini mit einem Gerichtsverfahren, da die Bevölkerung bei der Publizierung des Planes der 22-Meter-Stauung, für die eine Neuprojektierung und eine neue Konzession erforderlich gewesen wären, im Jahre 1939 offenbar getäuscht worden war. Die um 17 m erhöhte Stauung wurde nämlich nicht als wesentliche Abänderung des ursprüngliches Planes (Stauung um 5 m) anerkannt. Diese Drohung scheint den Konzern wirklich nervös gemacht zu haben, weil er dadurch sein Projekt in Gefahr sah. Deshalb wartete der Chefingenieur mit der Gegendrohung auf, wenn das Projekt widerrufen werde, fordere die Gesellschaft vom Staat Ersatz für die hohen Auslagen. Den Bewohnern von Graun und Reschen machte man große Versprechungen: keine Familie werde ihre Heimat verlassen müssen. Diese geplante Anzeige wäre, so scheint es, das einzige Mittel gewesen, um das wahnsinnige Stauprojekt zu verhindern. Warum aber die Gemeinde Graun tatsächlich nicht dieses Gerichtsverfahren angestrebt hat konnte nicht festgestellt werden. Auch unter den deutschen Verhandlungsvertretern scheint es Leute gegeben zu haben, die das Stauprojekt als für den Staat notwendig befürworteten.

  
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